Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover - modernes altsprachliches Gymnasium

Sinn und Aufgabe des Religionsunterrichts

Kaum ein anderes Fach hat es mit so unterschiedlichen Voraussetzungen bei Schülerinnen und Schülern zu tun wie die Fächer Katholischer und Evangelischer Religionsunterricht: Am Unterricht nehmen immer häufiger getaufte und ungetaufte Kinder teil, deutsche und ausländische, unterschiedlichster Familiensituationen und kultureller Herkunft. Zunehmend weniger Jugendliche kommen aus kirchlich eng verbundenen Familien; für viele Schülerinnen und Schüler stellt der Religionsunterricht die erste Begegnung mit Religion und Christentum dar. Ohne einen Religionsunterricht, der mit Religion bekannt und christliche Religion kenntlich macht, würden viele Jugendliche in religiöser Hinsicht sprachlos bleiben.

Der Religionsunterricht gründet sich auf die Bibel als Urkunde christlichen Glaubens und die kirchlichen Traditionen. Er erklärt und deutet die Bibel in ihren historischen Zusammenhängen und gegenwärtigen Fragestellungen. Er bietet Hilfen, den Zusammenhang von biblischem Wissen, kirchlicher Praxis, existentieller Berührung, gesellschaftlichen Problemen und gegenwärtiger Kultur wahrzunehmen und diesen denkend wie handelnd zu gestalten. Damit versteht sich der Religionsunterricht als ein Beitrag zur persönlichen und gemeinschaftlichen religiösen Orientierung und Bildung.

Junge Menschen suchen für ihr Leben einen Sinn, sie brauchen Hilfen, um sich in der pluralistischen Gesellschaft zurechtzufinden und  einen Standort zu gewinnen. Evangelischer und Katholischer Religionsunterricht haben als Schulfächer die Aufgabe, christliche Sinngebung durch die Vermittlung von Glauben, Liebe und Hoffnung anzubieten. Im Religionsunterricht gilt es die persönlichen Fragen und Probleme der Schülerinnen und Schüler wahrzunehmen, diese auf theologische und ethische Themen und Anliegen sowie das Gespräch mit anderen Religionen zu beziehen und in ästhetischen Ausdrucks- wie Gestaltungsformen darstellbar zu machen.

Auf diese Weise wird der Religionsunterricht der im Niedersächsischen Schulgesetz niedergelegten Verpflichtung gerecht, den Schülerinnen und Schülern die Wertvorstellungen aufzuzeigen, die unserer Verfassung zugrunde liegen. Unberechtigte Absolutheitsansprüche können somit relativiert werden. Dabei geht es um Erkennen und Wissen um die eigene Religion – aber nicht nur: Aus der Orientierung an einem tragfähigen Lebenssinn erwächst religiöse Kompetenz. Diese sinnstiftende Funktion ist durch kein anderes Fach ersetzbar.